„Gute Mitarbeiter sind billiger“

Talentmanagement

Anja Förster und Peter Kreuz sind der Auffassung, dass hauptsächlich vier Faktoren für die Motivation von Mitarbeitern und Führungskräften verantwortlich sind: das Streben nach Lust, Geld, Macht und Ansehen ist der Treibstoff für unser gegenwärtiges gesellschaftliches System“ (vgl. Hört auf zu arbeiten! Pantheon, München, 2013). Aus den vier Faktoren ragt –meinen wir zumeist- einer besonders heraus: „Geld ist der Gott unserer Zeit“…so Heinrich Heine.

Vor wenigen Tagen fragten sich Analysten, wie die Deutsche Bank in Zukunft gute Investmentbroker zu gewinnen gedenke, wo sie die Boni reduziert hat?

Vor diesem Hintergrund wirkt meine Behauptung wie eine Zumutung, dass gute Mitarbeiter billiger sind! Bin ich weltfremd? Vielleicht…vielleicht nicht!

Ein Freund von mir pflegt, jedes Jahr neue Schuhe zu kaufen. Er meint sie sind mit ca. 60,-€. nicht teuer. Der einzige Haken, die halten nur zwei Jahre. Andere Freunde kaufen sich deutlich teure Schuhe: 200,-€. Diese halten jedoch 5 Jahre, d.h. sie kosten 40,-€ pro Jahr. Anders ausgedrückt: 50% billiger!

Gilt dies auch für Mitarbeiter? Ist der Vergleich nicht herabwürdigend?

Versetzen Sie sich in die Rolle des Abteilungsleiters einer Engineeringfirma. Er heißt in diesem Fall Dieter. In seiner Abteilung werden Projektmitarbeiter für Kundenprojekt eingesetzt. Dieter will eine neue Stelle besetzen. Die Personalabteilung hat im Recruitingprozess zwei ausgezeichnete Kandidaten herausgefiltert. Einer ist deutlich teurer als der andere. Der kann jedoch höchste Projektqualität, Termintreue und Schnelligkeit vorweisen. Beim billigeren Mitarbeiter ist sich Dieter nicht so sicher, ob Qualität, Termintreue und Schnelligkeit stimmen werden. Und diese drei Faktoren sind für die Kundenzufriedenheit und Margen sehr relevant.

„Das Streben nach Lust, Geld, Macht und Ansehen ist der Treibstoff für unser gegenwärtiges gesellschaftliches System“

(Anja Förster und Peter Kreuz, „Hört auf zu arbeiten!“ Pantheon, München, 2013)

Wen wird Dieter einstellen? Teure und gute Mitarbeiter sind anspruchsvoll, sie wollen Karriere machen, denkt sich Dieter. Was tun?

Ich war jahrelang in der Position von Dieter und meine Erfahrung hat mir gezeigt, der teure Mitarbeiter ist die bessere und die billigere Wahl.

Der Gründer und Geschäftsführer der Firma tempus, Jörg Knoblauch, vertritt die These, jeder / jede MitarbeiterIn kann beim ihm so viel verdienen wie er / sie will, jedoch nichts kosten. D.h. Er / sie muss jedoch  einen Überschuss erzeugen.

Zurück zu unserer Erzählung: Eines Tages blieb ich meinem Vorsatz nicht treu und stellte den billigeren Mitarbeiter ein. Die Folgen ließen nicht lange auf sich warten: Kunden vergrätzt, Margen pfutsch, Termine nicht eingehalten, teure Überstunden, Kosten ohne Ende, Verluste etc.

Zu Beginn meiner beruflichen Laufbahn erlebte ich eine bizarre Situation. Innerhalb eines Jahres stellte das Unternehmen fünf promovierte Ingenieure. Die Firma war der Meinung, dass gleiche Ausbildung gleiches Gehalt zu bedeuten habe. Einer der fünf war Dirk (Name geändert). Während vier der fünf Doktoren nach 5 Jahren nicht mehr da waren, ist Dirk noch bis heute im Unternehmen. Dirk besuchte ich vor 2 Jahren. Er saß nach wie vor im gleichen Zimmer, hatte immer noch die gleiche Telefonnummer, saß am selben Schreibtisch…und schimpfte wie ehe und je über die Firma.

Während unserer gemeinsamen Zeit hatte ich diverse technische Lösungen erarbeitet, die Dirk betrafen. Ich habe diese mit Dirk abgestimmt; was nicht leicht war. Wir kamen jedoch zu einem Kompromiss. Dieser währte jedoch nicht lange. Und so schimpfte Dirk wieder laut Hals.

Dirk ist für mich der Inbegriff des billigeren Mitarbeiters, der jedoch immense Summen an Geld kostet. Dirk hat während der gemeinsamen Zeit -das waren immerhin 5 Jahre- keine einzige gute Lösung präsentiert.

Dirk wurde ausschließlich aufgrund seiner Fachkompetenz eingestellt. Diese hatte er, ohne Zweifel. Intelligent war er, ohne Zweifel. Nutzlos war er, ohne Zweifel.

Gleiche Arbeit, gleiche Bezahlung, wie die Gewerkschaften propagieren? Dieser Satz ist weltfremd. Ich kenne keine zwei Menschen, die die gleiche Arbeit verrichten, auch wenn sie in derselben Abteilung sitzen und vermeintlich die gleiche Arbeit verrichten.

Mein Plädoyer: Die besten Mitarbeiter einstellen und leistungsgerecht bezahlen, d.h. höchst differenziert.

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